Zwei Welten, zwei Denkweisen
M-Bus ist telegrammorientiert: Der Master fragt einen Zähler, der Zähler antwortet mit seinem kompletten Datensatz. BACnet dagegen ist objektorientiert: Jeder Messwert ist ein eigenes Objekt mit Typ, Instanznummer, Name und Einheit, das die Leittechnik einzeln lesen kann.
Die Übersetzung besteht also nicht im Durchreichen von Bytes, sondern im Abbilden: Aus einem M-Bus-Datensatz mit zwölf Werten werden zwölf BACnet-Objekte. Wer das macht und nach welcher Regel benannt wird, ist die Frage, die am Anfang geklärt gehört.

Die Namenskonvention ist keine Formalie
Der häufigste Fehler: Objekte heissen nach Gerätenummer. Zaehler_0815_Wert3 ist am Tag der Inbetriebnahme verständlich und in drei Jahren wertlos – spätestens nach dem ersten Gerätetausch.
Besser ist eine Hierarchie nach Ort und Funktion: Liegenschaft, Gebäude, Geschoss, Messpunkt, Grösse. Das überlebt einen Gerätewechsel, weil sich der Messpunkt nicht ändert, auch wenn das Gerät dahinter ausgetauscht wird. Dieselbe Logik gilt übrigens für MQTT-Topics.
Einigen Sie sich auf das Schema, bevor das erste Objekt angelegt wird. Nachträglich umbenennen heisst, jede Verknüpfung in der Leittechnik neu zu ziehen.
BBMD: wenn BACnet über Subnetze muss
BACnet/IP arbeitet mit Broadcasts, und Broadcasts enden an der Subnetzgrenze. Sobald Leittechnik und Zählersystem in verschiedenen Netzsegmenten liegen – in der Praxis fast immer, weil Messtechnik üblicherweise ein eigenes VLAN bekommt –, braucht es ein BBMD, ein BACnet Broadcast Management Device.
Das EMU M-Center bringt die BBMD-Funktion mit und ist für BACnet IP nach B-ASC zertifiziert. Die BACnet-Funktion ist lizenzpflichtig; die Bestellnummer steht im Datenblatt.
Mehrere Abnehmer, eine Quelle
Ein Vorteil, der in der Planung oft untergeht: Die Leittechnik ist nicht der einzige Abnehmer. Dasselbe M-Center gibt dieselben Werte parallel über MQTT an ein Dashboard, über (s)FTP oder E-Mail als CSV an die Abrechnung und über Modbus TCP an ein weiteres System.
Das entschärft eine typische Grundsatzdiskussion. Die Frage „gehören die Zählerdaten der Leittechnik oder dem Energiemanagement“ muss nicht beantwortet werden, weil beide sie bekommen – aus derselben Quelle, mit denselben Zeitstempeln.
Vor dem Gespräch mit dem Leittechniker klären
- Welche Messwerte braucht die Leittechnik wirklich – alle oder fünf pro Zähler?
- In welchem Netzsegment liegt die Leittechnik, wird BBMD gebraucht?
- Nach welchem Schema werden Objekte benannt?
- Welche Aktualisierungsrate ist gefordert, und ist sie über den Feldbus überhaupt erreichbar?
- Wer pflegt die Objektliste, wenn ein Zähler getauscht wird?
Die zweite Frage wird am häufigsten zu spät gestellt, die letzte fast nie – und sie ist die, die nach drei Jahren wehtut.