Was eine Standardlast wirklich ist
M-Bus-Zähler ziehen dauerhaft Strom aus dem Bus, auch wenn sie nicht gerade abgefragt werden. Diese Ruhestromaufnahme heisst Standardlast und beträgt rund 1,5 mA. Sie ist die Grundeinheit jeder Auslegung.
Der Haken: Nicht jedes Gerät zieht genau eine Standardlast. Manche Zähler, besonders solche mit Display, Funkmodul oder mehreren Messkanälen, ziehen zwei oder mehr. Wer in einer gemischten Anlage mit einer Standardlast pro Gerät rechnet, landet systematisch zu tief. Die Angabe steht im Datenblatt des jeweiligen Zählers – und zwar genau deshalb.
Was der Master liefern kann
Die zweite Grösse ist die Speisung des Masters, und die hängt davon ab, wie der Master selbst versorgt wird. Beim EMU M-Center macht das einen erheblichen Unterschied:
| Speisung 230 V AC | 450 mA Dauerlast, 600 mA Spitze |
|---|---|
| Speisung 24 V DC | 1,6 A |
Das heisst in der Praxis: Die oft zitierten 250 M-Bus-Geräte sind eine 24-V-DC-Rechnung. Wer den Logger an 230 V AC betreibt und 250 Zähler plant, hat ein Problem, das sich erst im Betrieb zeigt – meist dann, wenn die letzten Geräte sporadisch nicht mehr antworten.
Die Rechnung in drei Zeilen
Ein Beispiel aus einer Wohnüberbauung mit 120 Messpunkten für Strom, Wasser und Wärme:
| 120 Geräte × 1,5 mA | 180 mA |
|---|---|
| 8 Geräte mit doppelter Last | + 12 mA |
| Reserve 20 % | + 38 mA |
| Gesamtbedarf | rund 230 mA |
| Master an 230 V AC | 450 mA – passt mit Luft |
Die Reserve ist kein Luxus. Sie deckt Anlaufströme beim Einschalten ab, kompensiert Alterung und – der häufigste Fall – erlaubt, in drei Jahren zwanzig weitere Zähler anzuhängen, ohne den Strang neu aufzubauen.
Die Leitung ist die zweite Grenze
Selbst wenn der Strom reicht, kann die Leitung begrenzen. Zulässig sind bis zu 5000 m bei 100 nF/km und maximal 90 Ω Schleifenwiderstand. Die Kapazität verschleift die Signalflanken; je mehr Kabel hängt, desto niedriger muss die Baudrate ausfallen.
Empfohlen wird J-Y(ST)Y 2×2×0,8 mm, nach Möglichkeit geschirmt. Stern-, Baum- und Linientopologien sind alle zulässig und mischbar – anders als bei RS-485, wo Sternverdrahtung die häufigste Fehlerquelle ist.
Praktischer Nebeneffekt der 2400 Bd, die sich als Standard eingebürgert haben: Sie sind der Kompromiss, bei dem Reichweite und Auslesedauer gleichzeitig vertretbar bleiben. Für Viertelstundenwerte reicht das auch bei 250 Geräten deutlich.
Was Sie vor der Bestellung klären sollten
- Wie viele Geräte, und wie viele davon mit mehr als einer Standardlast?
- Wird der Master mit 230 V AC oder 24 V DC gespeist?
- Wie lang wird der längste Strang, welches Kabel liegt schon?
- Wie viele Zähler kommen in den nächsten fünf Jahren dazu?
- Welche Auslesefrequenz ist tatsächlich nötig – Viertelstunde, Stunde, Tag?
Die letzte Frage wird am häufigsten überschätzt. Für Abrechnung und Lastganganalyse genügen Viertelstundenwerte; minütliche Abfragen aller Geräte bringen keinen Erkenntnisgewinn, kosten aber Buszeit.