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Schnittstellen erklärtRS485

Was ist RS485 und Modbus RTU? Leitung und Protokoll erklärt

RS485 und Modbus RTU werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber zwei verschiedene Dinge. RS485 legt fest, wie die Signale über die Leitung gehen, Modbus RTU legt fest, was in den Telegrammen steht. Zusammen sind sie eine der verbreitetsten Zählerschnittstellen in Industrie und Gebäudetechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • RS485 (TIA/EIA-485) überträgt Daten als Spannungsdifferenz auf zwei Adern, robust gegen Störungen und bis rund 1200 m weit.
  • Modbus RTU ist ein Master-Slave-Protokoll: Ein Master fragt, Slaves mit den Adressen 1 bis 247 antworten.
  • Die Leitung wird als Linie verlegt und an beiden Enden mit 120 Ω abgeschlossen.
  • Messwerte liegen in 16-Bit-Registern. 32- und 64-Bit-Werte belegen zwei oder vier Register.
  • Jedes Telegramm ist mit einer CRC16-Prüfsumme gesichert.

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Was ist RS485?

RS485 ist eine Norm für die elektrische Übertragung, kein Protokoll. Die Daten laufen als Spannungsdifferenz zwischen zwei Adern, meist A und B genannt, manchmal auch D+ und D−. Weil der Empfänger nur die Differenz auswertet, heben sich Störungen, die beide Adern gleich treffen, weitgehend auf. Deshalb funktioniert RS485 auch in Schaltschränken mit Frequenzumrichtern und über lange Strecken.

Ein Segment verträgt klassisch 32 Teilnehmer (Unit Loads), moderne Treiber belasten den Bus nur mit einem Bruchteil davon. Die Leitung darf rund 1200 m lang sein, bei hohen Baudraten weniger.

Über RS485 laufen verschiedene Protokolle, neben Modbus RTU zum Beispiel BACnet MS/TP. Bei einem RS485 Stromzähler ist deshalb erst zusammen mit dem Protokoll klar, wie er ausgelesen wird.

Wie wird ein RS485-Bus richtig verkabelt?

  • Als Linie verlegen: von Gerät zu Gerät, ohne Stern und ohne lange Abzweige.
  • An den beiden Enden der Leitung je einen Abschlusswiderstand von 120 Ω setzen, nicht an jedem Gerät.
  • Verdrilltes, geschirmtes Datenkabel verwenden, idealerweise mit einem Wellenwiderstand um 120 Ω.
  • Die Bezugsmasse (GND) mitführen, wenn die Geräte weit auseinander liegen oder unterschiedlich gespeist sind.
  • Bei allen Geräten dieselbe Baudrate, Parität und dieselben Stoppbits einstellen.

Die häufigsten Stolpersteine beim Busaufbau beschreibt der Beitrag Modbus RTU über RS-485: die fünf häufigsten Stolpersteine.

Was ist Modbus RTU?

Modbus ist ein offenes Protokoll, das Modicon 1979 für Steuerungen entwickelt hat. RTU steht für Remote Terminal Unit und bezeichnet die binäre Variante für serielle Leitungen. Ein Master, etwa eine SPS, ein Datenlogger oder ein Energiemanagementsystem, schickt eine Anfrage an eine Slave-Adresse, und nur dieses Gerät antwortet. Von sich aus sendet ein Slave nie.

Ein Telegramm besteht aus Adresse, Funktionscode, Daten und einer CRC16-Prüfsumme. Zwischen zwei Telegrammen liegt eine Pause von mindestens 3,5 Zeichenlängen, daran erkennen die Geräte Anfang und Ende.

FunktionscodeBedeutungTypischer Einsatz
03Holding Register lesenMesswerte und Einstellungen
04Input Register lesenMesswerte
06ein Register schreibeneine Einstellung ändern
16mehrere Register schreibenmehrere Werte in einem Block schreiben

Wie liest man Modbus-Register richtig aus?

Modbus kennt nur 16-Bit-Register. Ein Zählerstand mit 32 oder 64 Bit verteilt sich auf zwei oder vier aufeinanderfolgende Register. Ob das höherwertige Wort zuerst kommt, legt jeder Hersteller selbst fest. Liefert ein System unsinnige Werte, ist meist die Byte- oder Wortreihenfolge vertauscht.

Auch die Zählweise der Adressen unterscheidet sich: Manche Handbücher zählen ab 0, andere ab 1. Ist ein Wert um genau ein Register verschoben, liegt es fast immer daran.

Wann passt Modbus RTU über RS485?

Modbus RTU passt, wenn eine Steuerung oder ein Datenlogger Zähler im selben Schaltschrank oder Gebäude direkt abfragt und kein Netzwerk zu den Zählern führt. Mit vielen Zählern in mehreren Gebäuden oder mehreren Zielsystemen lohnt sich ein Gateway. Den Vergleich mit der Netzwerkvariante finden Sie im Beitrag Modbus TCP oder Modbus RTU? und auf der Seite Was ist Modbus TCP?.

RS485 und Modbus RTU mit Geräten von EMU

Der RS485 Stromzähler EMU Professional II spricht Modbus RTU, als EMU Professional II 3/100 für Direktanschluss bis 100 A oder als 3/5 für Wandleranschluss.

Das EMU M-Center hat zwei RS485-Anschlüsse, liest bis zu 64 Modbus-RTU-Geräte aus und gibt die Werte per BACnet IP oder MQTT weiter.

Häufige Fragen


Was ist der Unterschied zwischen RS485 und Modbus?

RS485 ist die elektrische Übertragung auf zwei Adern, Modbus RTU das Protokoll, das darüber läuft. Über RS485 können auch andere Protokolle laufen, und Modbus gibt es auch über Ethernet als Modbus TCP.

Darf ein RS485-Bus sternförmig verlegt werden?

Nein. Zuverlässig funktioniert nur eine Linie mit kurzen Abzweigen. Sterne und lange Abzweige erzeugen Reflexionen, die Telegramme unlesbar machen. Liegen die Geräte sternförmig verteilt, helfen ein Repeater oder ein Verteiler mit getrennten Segmenten.

Wo kommt der Abschlusswiderstand hin?

An die beiden physischen Enden der Leitung, je 120 Ω zwischen A und B. Ein Widerstand an jedem Gerät belastet den Bus zu stark.

Wie viele Geräte passen an einen Modbus-RTU-Bus?

Das Protokoll erlaubt 247 Adressen. Elektrisch begrenzt RS485 ein Segment auf 32 Unit Loads; mit Treibern, die nur einen Bruchteil davon ziehen, sind mehr Geräte möglich. In der Praxis begrenzt oft die Abfragezeit: Je mehr Geräte, desto länger dauert ein Durchgang.

Welche Einstellungen müssen übereinstimmen?

Baudrate, Datenbits, Parität und Stoppbits müssen beim Master und bei allen Slaves gleich sein. Verbreitet sind 9600 oder 19200 Baud mit 8 Datenbits.

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