Stromwandler
Stromwandler für Energiezähler: Auswahl, Dimensionierung und Anschluss
Über 100 A misst der Professional II nicht mehr direkt. Dann übernehmen Stromwandler: Sie bilden den Laststrom auf 5 A oder 1 A ab. Hier steht, welche Bauform, welcher Nennstrom und welche Klasse passen – und warum ein Messklemmenblock mit Kurzschlussbrücken in jede Planung gehört.

Zwei Bauformen
Aufsteckwandler oder teilbarer Stromwandler?
Die Entscheidung fällt fast immer über die Frage, ob der Leiter aufgetrennt werden kann. Alles andere – Nennstrom, Klasse, Bürde – gilt für beide Bauformen gleichermassen.

Geschlossener Kern
Aufsteck-Stromwandler EMCT
5 A sekundär, 60 bis 1250 A primär, Klasse 1 oder 0,5. Für Kabel und Stromschienen, wenn beim Bau der Anlage ohnehin verkabelt wird.
Zu den Aufsteckwandlern

Teilbarer Kern
Teilbare Stromwandler TQ
1 A sekundär, 100 bis 1000 A primär, 3 m Anschlussleitung. Zum Nachrüsten um bestehende, isolierte Leiter.
Zu den teilbaren Wandlern
| Merkmal | Aufsteck EMCT | Teilbar TQ |
|---|---|---|
| Sekundärstrom | 5 A | 1 A |
| Primärstrom | 60 bis 1250 A | 100 bis 1000 A |
| Genauigkeitsklasse | 1 bis 0,5 | 1, beim TQ50-L 500 auch 0,5 |
| Nennbürde | 1,5 bis 20 VA | 0,2 VA, beim TQ50-L 500 0,5 VA |
| Montage | Leiter auftrennen oder Schiene einschieben | Um den bestehenden Leiter klappen |
| Leiter | Kabel und Stromschiene | nur isolierte Leiter |
| Anschluss | Klemmen S1 und S2 | fest angeschlossene Leitung, 3 m |
| Norm | DIN EN 61869-2 | IEC 60044-1 |
| Typischer Einsatz | Neubau, Hauptverteilung, Abrechnung | Nachrüstung im Bestand, Monitoring |
Dimensionierung
Wie dimensioniere ich einen Stromwandler richtig?
Ein Wandler wird nicht nach der Absicherung gewählt, sondern nach dem Strom, der tatsächlich fliesst. Ein zu gross gewählter Wandler misst im unteren Lastbereich ungenau, ein zu klein gewählter geht bei Lastspitzen in die Sättigung.
Arbeitsbereich 5 bis 120 Prozent
EMU empfiehlt, den Wandler so zu wählen, dass der Betriebsstrom zwischen 5 % und 120 % des Nennstroms liegt. Unterhalb von 5 % steigt der relative Fehler stark an, oberhalb von 120 % verlässt der Kern den linearen Bereich.
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Praktisch heisst das: Der kleinste regelmässig auftretende Laststrom sollte über 5 % liegen, der grösste zu erwartende unter 120 %. Gibt es beides nicht gleichzeitig, entscheidet der Bereich, der abgerechnet oder ausgewertet wird.
Rechenbeispiel
Eine Anlage ist mit 250 A abgesichert, der gemessene Dauerstrom liegt zwischen 40 A und 180 A.
- 250/5 A: 5 % = 12,5 A, 120 % = 300 A. Beide Grenzen passen.
- 600/5 A: 5 % = 30 A. Der untere Lastbereich liegt teils darunter – ungenau.
- 150/5 A: 120 % = 180 A. Die Spitze liegt genau an der Grenze – zu knapp.
Gewählt wird 250/5 A. Die Absicherung allein hätte auch 600/5 A nahegelegt – und damit im Teillastbereich messbar danebengelegen.
Genauigkeitsklasse
Die Klasse des Wandlers begrenzt die Gesamtgenauigkeit der Messung. Ein Zähler der Klasse B nützt wenig, wenn davor ein Wandler der Klasse 3 sitzt. Für Abrechnung und Drittmengenabgrenzung ist Klasse 0,5 oder besser üblich.
Bürde
Die Bürde ist die Summe aus Zählerimpedanz, Klemmen und Leitungswiderstand, angegeben in VA. Bleibt die tatsächliche Bürde deutlich unter der Nennbürde, hält der Wandler seine Klasse. Lange Messleitungen mit kleinem Querschnitt treiben diesen Wert nach oben.
Leitungsquerschnitt
Bei 5 A Sekundärstrom wächst der Spannungsabfall mit dem Quadrat des Stroms und mit der Länge. Kurze Wege und mindestens 2,5 mm² sind die Regel; bei grösseren Entfernungen entweder den Querschnitt erhöhen oder einen Wandler mit höherer Nennbürde wählen.
Sicherheit
Warum der Sekundärkreis eines Stromwandlers nie offen sein darf
Ein Stromwandler ist eine Stromquelle, keine Spannungsquelle. Solange der Sekundärkreis geschlossen ist, treibt er den übersetzten Strom durch die Bürde und die Spannung bleibt klein. Wird der Kreis bei fliessendem Primärstrom geöffnet, versucht der Wandler den Strom weiter zu treiben: Der Kern geht in Sättigung und an den Klemmen S1/S2 entstehen gefährlich hohe Spannungsspitzen. Das kann die Isolation zerstören, den Wandler dauerhaft schädigen und Personen gefährden.
Deshalb gilt: Vor jedem Eingriff am Zähler wird der Sekundärkreis kurzgeschlossen, nicht getrennt.
Kurzschlussklemmen von Anfang an einplanen
Zwischen Wandler und Zähler gehört ein Messklemmenblock mit Kurzschlussbrücken. Er kostet wenig, wird aber oft weggelassen – und fehlt genau dann, wenn Jahre später jemand den Zähler tauschen muss. Ohne diese Klemmen bleibt nur, die Anlage freizuschalten.
- Je Phase eine Klemme mit Trennmesser und Kurzschlussbrücke
- Reihenfolge: erst brücken, dann zum Zähler trennen
- Klemmenblock beschriften: welcher Wandler, welche Phase, welches Verhältnis
- Prüfbuchsen erlauben die Kontrollmessung im Betrieb
Reihenfolge beim Zählertausch
- Kurzschlussbrücken im Messklemmenblock schliessen
- Prüfen, dass die Brücken wirklich Kontakt haben
- Erst jetzt die Leitungen zum Zähler lösen
- Neuen Zähler anklemmen, Wandlerverhältnis einstellen
- Brücken öffnen und Messwerte gegen die Last plausibilisieren
Weitere Punkte, die in der Praxis schiefgehen
Die Richtung P1 → P2 muss zur Energieflussrichtung passen, sonst zählt der Zähler Bezug als Lieferung. S1 und S2 dürfen nicht vertauscht werden. Das Wandlerverhältnis gehört im Zähler hinterlegt und im Schaltplan dokumentiert – ohne diese Angabe ist eine spätere Abrechnung nicht nachvollziehbar.
Passender Zähler
Welcher EMU-Zähler passt zu welchem Stromwandler?
5 A sekundär – EMU Professional II 3/5
Die Wandlerausführung des Professional II nimmt Verhältnisse von 5/5 bis 20’000/5 in Schritten von 5 A auf und verträgt sekundär dauerhaft bis 6 A. Der Anlaufstrom liegt bei 1 mA. Passt zur gesamten EMCT-Serie.
1 A sekundär – Ausführung /1 A
Für die teilbaren Wandler der TQ-Serie braucht es eine Zählerausführung für 1 A Sekundärstrom. Der Professional II bildet in dieser Variante Verhältnisse von 1/1 bis 4’000/1 ab.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu Stromwandlern
Von der Auswahl über die Dimensionierung bis zum sicheren Anschluss – die Fragen, die bei Wandlermessungen regelmässig auftauchen.
Grundlagen Auswahl und Dimensionierung Anschluss und Sicherheit Eichung und Abrechnung
Grundlagen
Wann brauche ich für einen Energiezähler einen Stromwandler?
Sobald der Laststrom über dem liegt, was der Zähler direkt verträgt. Der EMU Professional II misst direkt bis 100 A je Phase. Darüber messen Stromwandler den Strom und bilden ihn auf 5 A oder 1 A ab, die der Zähler verarbeitet.
Wie funktioniert ein Stromwandler?
Der Primärleiter bildet die Primärwicklung, meist mit einer einzigen Windung durch das Fenster. Der Strom erzeugt ein Magnetfeld im Kern, das in der Sekundärwicklung einen proportional kleineren Strom induziert. Das Verhältnis der Windungszahlen bestimmt das Übersetzungsverhältnis.
Was bedeutet die Angabe 250/5 A?
Bei 250 A Primärstrom liefert der Wandler 5 A sekundär. Das Verhältnis ist linear: 125 A primär ergeben 2,5 A sekundär. Dieses Verhältnis muss im Zähler hinterlegt werden, sonst stimmen die angezeigten Werte nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Aufsteck- und teilbaren Stromwandlern?
Der Aufsteckwandler ist ein geschlossener Ring. Er wird beim Bau der Anlage über Kabel oder Schiene geschoben, dafür muss der Leiter einmal aufgetrennt werden. Der teilbare Wandler lässt sich aufklappen und um einen bestehenden Leiter legen, also nachrüsten, ohne die Verkabelung zu lösen.
Welche Normen gelten für Stromwandler?
Die EMCT-Aufsteckwandler sind nach DIN EN 61869-2 klassifiziert, die teilbaren Wandler der TQ-Serie nach IEC 60044-1. Beide Normen definieren die Genauigkeitsklassen und die Bedingungen, unter denen sie gelten.
Auswahl und Dimensionierung
Welchen Arbeitsbereich sollte ein Stromwandler abdecken?
EMU empfiehlt einen Arbeitsbereich von 5 bis 120 Prozent des Nennstroms. Unter 5 Prozent wird der relative Fehler gross, über 120 Prozent verlässt der Kern den linearen Bereich. Massgebend ist der tatsächliche Laststrom, nicht die Absicherung.
Darf ich den Wandler nach der Sicherung auswählen?
Besser nicht. Die Absicherung sagt, was maximal fliessen darf, nicht was üblicherweise fliesst. Anlagen sind oft grosszügig abgesichert und laufen im Alltag bei einem Bruchteil davon. Ein nach der Sicherung gewählter Wandler misst dann dauerhaft im ungenauen unteren Bereich.
Welche Genauigkeitsklasse brauche ich?
Für Abrechnung und Drittmengenabgrenzung ist Klasse 0,5 oder besser üblich. Für reines Monitoring und Lastspitzenerkennung reicht Klasse 1. Die Gesamtgenauigkeit der Messung wird durch die schwächere der beiden Komponenten Zähler und Wandler begrenzt.
Was ist die Bürde und warum ist sie wichtig?
Die Bürde ist die Last, die der Wandler sekundär treiben muss: Zähler, Klemmen und Messleitung zusammen, angegeben in VA. Überschreitet die tatsächliche Bürde die Nennbürde, hält der Wandler seine Genauigkeitsklasse nicht mehr ein.
Welchen Querschnitt brauchen die Messleitungen?
Bei 5 A Sekundärstrom sind 2,5 mm² üblich, bei längeren Wegen mehr. Der Leitungswiderstand geht direkt in die Bürde ein. Bei 1 A Sekundärstrom fällt dieser Einfluss deutlich geringer aus, weil die Verluste mit dem Quadrat des Stroms steigen.
Anschluss und Sicherheit
Warum darf der Sekundärkreis eines Stromwandlers nie offen sein?
Ein Stromwandler verhält sich wie eine Stromquelle. Wird der Sekundärkreis bei fliessendem Primärstrom geöffnet, treibt der Wandler den Kern in die Sättigung und es entstehen gefährlich hohe Spannungsspitzen an S1 und S2. Das kann den Wandler zerstören und Personen gefährden.
Wozu dienen Kurzschlussklemmen?
Ein Messklemmenblock mit Kurzschlussbrücken zwischen Wandler und Zähler erlaubt es, den Sekundärkreis zu schliessen, bevor der Zähler getrennt wird. Ohne diese Klemmen muss die Anlage für jeden Zählertausch freigeschaltet werden. Der Block sollte bereits bei der Erstinstallation vorgesehen werden.
In welcher Reihenfolge wird ein Wandlerzähler getauscht?
Zuerst die Kurzschlussbrücken im Messklemmenblock schliessen und den Kontakt prüfen. Danach die Leitungen zum Zähler lösen, den neuen Zähler anschliessen und das Wandlerverhältnis einstellen. Zuletzt die Brücken öffnen und die Messwerte gegen die bekannte Last plausibilisieren.
Was bedeuten P1, P2, S1 und S2?
P1 und P2 kennzeichnen die Primärseite und damit die Durchsteckrichtung: P1 zeigt zur Einspeisung, P2 zur Last. S1 und S2 sind die Sekundärklemmen zum Zähler. Werden P1 und P2 oder S1 und S2 vertauscht, kehrt sich das Vorzeichen um und der Zähler zählt Bezug als Lieferung.
Muss der Sekundärkreis geerdet werden?
In vielen Installationen wird eine Seite des Sekundärkreises geerdet, um im Fehlerfall ein definiertes Potenzial zu haben. Was konkret gilt, richtet sich nach der Installationsvorschrift und dem Netzbetreiber. Diese Frage gehört vor der Montage geklärt, nicht danach.
Eichung und Abrechnung
Sind Stromwandler eichpflichtig?
Nach Artikel 13 Absatz 1 der Verordnung des EJPD über Messmittel für elektrische Energie und Leistung (EMmV, SR 941.251) ist die Eichgültigkeit induktiver und kapazitiver Messwandler unbegrenzt. Bei anderen Wandlertypen kann das Bundesamt bei der Zulassung im Einzelfall eine Nacheichfrist festlegen.
Gilt die Eichfrist des Zählers auch bei Wandlermessung?
Ja. Die unbefristete Eichgültigkeit gilt nur für die Wandler, nicht für den Zähler: Elektronische Wirkenergiezähler sind nach Artikel 6 EMmV alle zehn Jahre nachzueichen. Das für direkt messende Zähler zulässige statistische Stichprobenverfahren nach Anhang 4 gilt ausdrücklich nur ohne vorgeschaltete Wandler.
Kann ich mit Wandlermessung in einem ZEV abrechnen?
Ja, sofern die eingesetzten Messmittel den Anforderungen des Messmittelrechts genügen und das Wandlerverhältnis korrekt hinterlegt und dokumentiert ist. Die Abgrenzung gegenüber dem Netz bleibt Sache des Verteilnetzbetreibers.
Technische Angaben nach den Produktseiten von EMU Metering (Aufsteck-Stromwandler, teilbare Stromwandler), Stand Oktober 2026. Rechtliche Angaben nach der EMmV (SR 941.251). Massgebend für die Bestellung sind Datenblatt und Auftragsbestätigung.
Welcher Wandler passt zu Ihrer Anlage?
Schicken Sie uns Nennstrom der Absicherung, Leiterquerschnitt oder Schienenmass, Leitungslänge zum Zähler und die geforderte Genauigkeit. Wir rechnen Bürde und Klasse nach.
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