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Schnittstelle · EMU Professional II

LoRa am EMU Professional II: LoRaWAN, TTN und Payload-Decoder

Funk im lizenzfreien EU868-Band, Reichweite statt Datenrate, Zähler, die von sich aus senden. Hier steht, wie LoRa und LoRaWAN zusammenhängen, warum der Duty Cycle die Taktung bestimmt und wie Sie mit dem TTN-Template und unserem Decoder ohne eigene Programmierung zu lesbaren Messwerten kommen.

Das Prinzip

Wie funktioniert LoRa?


Zwei Begriffe werden ständig vermischt. LoRa ist das Funkverfahren – eine Spreizbandmodulation, die ein schmales Signal so weit auffächert, dass es noch unter dem Rauschen erkannt wird. Das erkauft Reichweite mit Datenrate. LoRaWAN ist das Netzwerkprotokoll darüber: Gateways, Netzserver, Verschlüsselung, Beitrittsverfahren.

Die Logik ist eine andere als bei M-Bus oder Modbus: Kein Master fragt den Zähler ab. Der Zähler sendet von sich aus in festem Rhythmus ein kleines Paket, ein Gateway in Funkreichweite fängt es auf und leitet es an den Netzserver weiter. Nach jedem Senden öffnet das Gerät kurz zwei Empfangsfenster – das ist Klasse A, der sparsamste Betriebsmodus.

In Europa läuft das im lizenzfreien Band EU868. Lizenzfrei heisst nicht regellos: Es gilt eine Duty-Cycle-Begrenzung, die Sendezeit je Gerät und Stunde beschränkt. Das ist der Grund, warum LoRa für Viertelstunden- oder Stundenwerte gemacht ist und nicht für Sekundenwerte.

Begriffe

LoRa

Das Funkverfahren. Spreizbandmodulation, Reichweite auf Kosten der Datenrate.

LoRaWAN

Das Netzwerkprotokoll: Gateways, Netzserver, Schlüssel, Beitritt.

Spreizfaktor

SF7 bis SF12. Höher heisst weiter und robuster, aber langsamer und mit mehr Sendezeit.

Duty Cycle

Gesetzliche Begrenzung der Sendezeit je Gerät im lizenzfreien Band.

Klasse A

Gerät sendet, danach zwei kurze Empfangsfenster. Sparsamster Modus.

OTAA

Beitritt über die Luft mit DevEUI, JoinEUI und AppKey. Der empfohlene Weg.

ABP

Fest einprogrammierte Sitzungsschlüssel. Einfacher, aber weniger sicher.

Payload

Die Nutzdaten des Pakets – kompakt gepackte Bytes, kein lesbarer Text.

Datenweg

Wie gelangen die Messwerte eines LoRa-Zählers sicher ins Zielsystem?


Ob mit eigenem Network Server oder direkt in Joulio-Web: Der Zähler meldet sich per OTAA an, und alle Messwerte reisen Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das gilt für den EMU Professional II LoRa ebenso wie für die Helvatron-Zähler H2O und DELTA III. Die Gateways leiten nur weiter.

Use Case 1: externer Network Server mit API

Funk EU868BackhaulAPIDuplikat verworfenProfessional II LoRaStrom · EMUHelvatron H2OWasserHelvatron DELTA IIIWärmeGateway 1SIM-Modem (LTE)Gateway 2LANNetwork ServerLNS + Join ServerPayload-DecoderLeitsystemAbrechnungCloud / BIIm ZählerDevEUIJoinEUIAppKeyDevAddrNwkSKeyAppSKeySitzungsschlüssel folgen nach dem JoinIn den Gatewayskeine Schlüsselleiten Pakete nur weiterIm Network ServerDevEUIJoinEUIAppKeyDevAddrNwkSKeyAppSKeySitzungsschlüssel folgen nach dem Join
  1. Schlüssel hinterlegtJeder Zähler kennt seine DevEUI, die JoinEUI und den geheimen AppKey. Dieselben drei Werte sind im Network Server erfasst. Der AppKey wird nie über Funk übertragen.
  2. Join RequestDer Zähler meldet sich mit DevEUI, JoinEUI und einer Zufallszahl an. Die Nachricht ist mit dem AppKey signiert. Jedes Gateway in Reichweite empfängt sie, hier beide.
  3. Weiterleiten über LTE und LANGateway 1 sendet über sein integriertes SIM-Modem, Gateway 2 über LAN. Die Gateways öffnen nichts. Der Network Server erkennt das doppelt empfangene Paket und verwirft es.
  4. Join AcceptDer Network Server prüft die Signatur, vergibt eine Netzadresse (DevAddr) und antwortet verschlüsselt mit dem AppKey – über das Gateway mit dem besten Empfang.
  5. SitzungsschlüsselZähler und Network Server berechnen unabhängig voneinander dieselben Sitzungsschlüssel: NwkSKey für die Integrität, AppSKey für die Messwerte. Übertragen wird keiner.
  6. Messwerte sendenStrom-, Wasser- und Wärmezähler senden ihre Werte im festen Rhythmus, verschlüsselt mit dem AppSKey. Die Gateways können die Inhalte nicht lesen.
  7. Prüfen und dekodierenDer Network Server prüft die Signatur, verwirft Duplikate, entschlüsselt mit dem AppSKey und wandelt die Bytes mit dem Payload-Decoder in kWh, m³ und Wärmemenge um.
  8. Weitergabe per APIDie dekodierten Werte gehen über die API des Network Servers, etwa per REST, Webhook oder MQTT, an Leitsystem, Abrechnung oder Cloud.

Use Case 2: Joulio-Web mit integriertem Network Server

Funk EU868BackhaulNutzungDuplikat verworfenProfessional II LoRaStrom · EMUHelvatron H2OWasserHelvatron DELTA IIIWärmeGateway 1SIM-Modem (LTE)Gateway 2LANJoulio-Webintegrierter LNSDecoder + AuswertungDashboardsNebenkostenAPI (optional)Im ZählerDevEUIJoinEUIAppKeyDevAddrNwkSKeyAppSKeySitzungsschlüssel folgen nach dem JoinIn den Gatewayskeine Schlüsselleiten Pakete nur weiterIn Joulio-WebDevEUIJoinEUIAppKeyDevAddrNwkSKeyAppSKeySitzungsschlüssel folgen nach dem Join
  1. Schlüssel hinterlegtJeder Zähler kennt seine DevEUI, die JoinEUI und den geheimen AppKey. Dieselben drei Werte sind in Joulio-Web erfasst. Der AppKey wird nie über Funk übertragen.
  2. Join RequestDer Zähler meldet sich mit DevEUI, JoinEUI und einer Zufallszahl an. Die Nachricht ist mit dem AppKey signiert. Jedes Gateway in Reichweite empfängt sie, hier beide.
  3. Weiterleiten über LTE und LANGateway 1 sendet über sein integriertes SIM-Modem, Gateway 2 über LAN. Die Gateways öffnen nichts. Joulio-Web erkennt das doppelt empfangene Paket und verwirft es.
  4. Join AcceptJoulio-Web prüft die Signatur, vergibt eine Netzadresse (DevAddr) und antwortet verschlüsselt mit dem AppKey – über das Gateway mit dem besten Empfang.
  5. SitzungsschlüsselZähler und Joulio-Web berechnen unabhängig voneinander dieselben Sitzungsschlüssel: NwkSKey für die Integrität, AppSKey für die Messwerte. Übertragen wird keiner.
  6. Messwerte sendenStrom-, Wasser- und Wärmezähler senden ihre Werte im festen Rhythmus, verschlüsselt mit dem AppSKey. Die Gateways können die Inhalte nicht lesen.
  7. Prüfen und dekodierenJoulio-Web prüft die Signatur, verwirft Duplikate, entschlüsselt mit dem AppSKey und wandelt die Bytes mit dem Payload-Decoder in kWh, m³ und Wärmemenge um.
  8. Direkt in Joulio-WebJoulio-Web hält die Schlüssel selbst und nutzt die Werte direkt für Dashboards, Lastgang und Nebenkostenabrechnung. Drittsysteme lassen sich über die Joulio-Web-API anbinden.

Integration

Wie decodiere ich den LoRa-Payload eines Energiezählers?


Was beim Netzserver ankommt, ist zunächst ein kurzer Byte-Block. Damit daraus „Wirkenergie Import, Tarif 1, 128’431 kWh“ wird, braucht es einen Payload-Decoder: ein kleines Stück Code, das die Bytes gemäss dem Payload-Aufbau des Geräts zerlegt.

Genau hier scheitern LoRa-Projekte am häufigsten – nicht an der Funkstrecke, sondern daran, dass der Decoder von Hand geschrieben und nie dokumentiert wurde. Deshalb stellen wir ihn fertig bereit.

The Things Network

Im TTN-Netzwerk steht der EMU Professional II LoRa als Template direkt zur Verfügung. Gerät anlegen, Template wählen, Schlüssel eintragen – der Decoder ist dabei. Für den häufigsten Fall entfällt das Thema damit vollständig.

Andere Netzserver

Für die Integration in weitere Systeme liegt der Decoder auf GitHub. Dazu kommen zwei Werkzeuge, die direkt im Browser laufen: ein Payload-Decoder, um ein empfangenes Paket zu prüfen, und ein Payload-Generator, um Testpakete zu erzeugen, bevor der erste Zähler montiert ist. Beides erspart die Fehlersuche an der Anlage.

Vor der Montage testen

Mit dem Payload-Generator lässt sich die gesamte Kette vom Netzserver bis ins Zielsystem aufbauen und prüfen, bevor ein einziger Zähler im Schacht hängt. Das verlagert die Fehlersuche vom Keller an den Schreibtisch.

Funkplanung

Welche Reichweite erreicht LoRa in Gebäuden?


Spreizfaktor

Ein höherer Spreizfaktor bringt Reichweite und Robustheit, verlängert aber die Sendezeit und verbraucht damit mehr vom zulässigen Duty Cycle. Zähler im Keller landen oft bei SF11 oder SF12, Zähler mit Sichtverbindung bei SF7.

Bauliche Lage

Stahlbeton, Erdreich und Schaltschranktüren aus Metall kosten mehr Pegel als jede Entfernungsangabe vermuten lässt. Ein Zähler 30 m entfernt im Untergeschoss ist schwieriger als einer 2 km entfernt mit Sicht aufs Gateway.

Vorher messen

Ein Testgerät am geplanten Montageort sagt mehr als jede Berechnung. Bei verteilten Liegenschaften lohnt sich eine Begehung mit Messung, bevor Gateways fix montiert werden.

Einordnung

Wann ist LoRa die richtige Schnittstelle?


Spricht dafür

  • Messpunkte ohne Kabelweg, etwa in Bestandsbauten
  • Verteilte Liegenschaften mit einem gemeinsamen Gateway
  • Nachrüstung, bei der keine Leitung mehr gezogen werden kann
  • Viertelstunden- oder Stundenwerte als Zielauflösung
  • TTN-Template vorhanden, Decoder öffentlich auf GitHub

Spricht dagegen

  • Sekundenwerte oder Regelungsaufgaben – der Duty Cycle verbietet das
  • Grosse Datenmengen je Ablesung
  • Garantierte Zustellung zu einem festen Zeitpunkt
  • Tief liegende Messpunkte ohne Funkweg nach draussen
  • Anlagen, in denen ohnehin ein M-Bus oder Ethernet liegt

M-Bus ansehen · TCP/IP ansehen

Dokumente

Handbücher und Datenblätter zum Download


Diese Seite erklärt das Prinzip. Registerlisten, Telegrammaufbau, Klemmenbelegung und die genauen Parameter der jeweiligen Ausführung stehen im Schnittstellen-Handbuch.

PDFHandbuch LoRa-Schnittstelle1490 · Payload-Aufbau · Deutsch GITLoRa Decoderemuag/professional_II_lora GITPayload GeneratorQuelle auf GitHub WEBPayload DecoderIm Browser ausführbar WEBPayload GeneratorIm Browser ausführbar PDFDatenblatt Professional II1440 · Deutsch

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Schnittstelle


Was ist der Unterschied zwischen LoRa und LoRaWAN?

LoRa ist das Funkverfahren – eine Spreizbandmodulation, die Reichweite gegen Datenrate tauscht. LoRaWAN ist das Netzwerkprotokoll darüber, mit Gateways, Netzserver, Verschlüsselung und Beitrittsverfahren. In der Praxis braucht man beides.

Gibt es ein fertiges Template für The Things Network?

Ja. Im TTN-Netzwerk steht der EMU Professional II LoRa als Template direkt zur Verfügung. Gerät anlegen, Template wählen, Schlüssel eintragen – der Payload-Decoder ist dabei.

Wie integriere ich den Zähler in einen anderen Netzserver?

Über den Decoder, den wir auf GitHub bereitstellen. Dazu gibt es einen Payload-Decoder und einen Payload-Generator als Web-Werkzeuge: mit dem Decoder prüfen Sie ein empfangenes Paket, mit dem Generator erzeugen Sie Testpakete, um die Kette aufzubauen, bevor der erste Zähler montiert ist.

Wie oft sendet ein LoRa-Zähler?

In festem Rhythmus, nicht auf Abruf. Die Taktung richtet sich nach dem Duty Cycle im lizenzfreien EU868-Band, der die Sendezeit je Gerät und Stunde begrenzt. Dadurch eignet sich LoRa für Viertelstunden- und Stundenwerte, nicht für Sekundenwerte oder Regelungsaufgaben.

Welche Reichweite erreiche ich?

Das hängt am Standort, nicht an einer Zahl im Datenblatt. Stahlbeton, Erdreich und metallische Schaltschranktüren kosten deutlich mehr Pegel als Entfernung. Ein Zähler 30 m entfernt im Untergeschoss kann schwieriger sein als einer in 2 km mit Sichtverbindung. Eine Messung am geplanten Montageort ist jeder Berechnung überlegen.

OTAA oder ABP?

OTAA, der Beitritt über die Luft mit DevEUI, JoinEUI und AppKey, ist der empfohlene Weg: Die Sitzungsschlüssel werden beim Beitritt ausgehandelt. ABP arbeitet mit fest einprogrammierten Schlüsseln – einfacher einzurichten, aber weniger sicher und beim Zählerwechsel umständlicher.

Unsicher, ob LoRa passt?


Schicken Sie uns Anzahl Messpunkte, Entfernungen und das Zielsystem. Wir sagen Ihnen, welche Ausführung Sinn ergibt – und wann eine andere Schnittstelle die bessere Wahl wäre.

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